Madonna del Arte

Virgen del Arte

Fasziniert von den Semana Santa-Prozessionen in Malaga, mit ihrem historischen Hintergrund und ihrem gegenwärtig tradierten, von kirch- lichen Bruderschaften getragenen und von der Bevölkerung begleiteten auratischen Inszenie- rungen-, entwickelte Irene Andessner den Wunsch, das Thema der darin enthaltenen Marienverehrung unter den Vorzeichen der bildenden Kunst zu behandeln.

Die Marien werden auf großen, prächtig gestalteten Bühnen (Tronos) durch die Stadt getragen. Ein Spezifikum ist, dass jede malagesische Bruderschaft die Tradition mit ihrer eigenen Marienfigur „hochhält“ und „trägt“; es gibt hier an die 40 Virgins mit unterschiedlichem Aussehen (Gesicht und Outfit) und eigenen Namen bzw. Patronanzen. Neben direkten Kreuzwegbezügen enthaltendie Namen auch christliche Themen mit profanem Doppelsinn. So gibt es Schirmherrinnen für Not, Sorge, Hoffnung, Gnade, Demut, Liebe, Wohl-tätigkeit und Nächstenliebe, für Himmelssterne, Morgenrot und Abendmahl, (Opfer)Blut, Fieber, und Gesundheit, Frieden, Einsamkeit, Reichtum, Recht, Rettung, oder für Gefangene und Bruder- schaften.

Die Idee ist, diese Reihe um eine Marienfigur für die „Schönen Künste“ zu ergänzen – um eine Virgin del Arte. Es geht um die Frage bzw. um den Versuch, ob eine Madonna für die Kunst auch Anhänger, Träger, Verehrer, Bewunderer in einem katholischen Ritus bzw. in einem religi- ösen Kontext findet. Abendländische Kunst und Religion waren über über die längste Strecke ihrer zweitausendjährigen Geschichte ver -bunden, oder sogar vermählt. Künstler haben erst in der Renaissance ihre Motive und Themen säkularisiert und philosophisch vergeistigt. Gelingt es, die Bewunderung des Publikums im Rahmen der Semana Santa auf die Kunst zu lenken, so wäre das eine temporäre Wiederannäherung (Rekonvergenz) von Kunst und Kirche, zugleich ein Konzil ihrer unter-schiedlichen „Gemeinden“.

Negativ u. Polaroid-Produktion mit der 10 × 8 Inch Kamera